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11
Nov

Rezension: Dietrich Schwanitz – Bildung- Alles was man wissen muss

Dietrich Schwanitz- Bildung- Alles was man wissen muss
Das Buch „Bildung“ von Dietrich Schwanitz wurde als eine „Frechheit“ bezeichnet und dennoch oder vielleicht auch deswegen ist es zu einem Bestseller geworden. Allein schon der Titel wirkt reichlich anmaßend und will polarisieren. Als ob diesem Buch eine ganze Bibliothek inkorporiert wäre. Das ist selbstverständlich nicht der Fall. Kein einzelnes Buch kann den Anspruch erheben auf alle Fragen eine Antwort zu bieten. Viele wissenschaftliche Bereiche oder Teilbereiche, allen voran die Naturwissenschaften finden in „Bildung- alles was man wissen muss“ keine Beachtung.
Stattdessen beschäftigt sich Schwanitz mit Literatur, Sprache, Kunst, Musik, Philosophie und stellt hin und wieder einen Bezug zu unserer jetzigen Gesellschaft her. Hierbei outet sich Schwanitz, ob bewusst oder unbewusst, als großer Shakespeare Fan. Wer aber nun denkt, es handelt sich bei „Bildung – alles was man wissen muss“ um eine dröge Lektüre, die eine nüchterne Darstellung der vorwiegend kulturellen Materie beinhaltet, liegt denkbar falsch. Der Erzählstil ist locker und auch durchaus witzig, teilweise aber auch polemisch, so zum Beispiel, wenn Schwanitz mit, nach seiner Meinung, unnützem Wissen ins Gericht geht: Als überflüssiges Wissen klassifiziert Schwanitz unter anderem jeglichen Klatsch aus den Königshäusern, das aktuelle Fernsehprogramm oder Fußballwissen. Letzteres verwundert, zumal auch in höchsten gesellschaftlichen Kreisen, zumindest in Deutschland, eine rege Begeisterung für den Fußball erkennbar ist. Angela Merkel, Franz Walter Steinmeier oder Kurt Beck sind schließlich nicht gerade selten im Fußballstadion anzutreffen und auch wenn ein solches Trivialwissen keinen hohen Stellenwert genießt, so dient es immerhin als Einstieg in eine lockere Unterhaltung; ganz egal auf welchem Bildungsniveau man sich aufhält. An diesem Beispiel sieht man auch den Hauptkritikpunkt dieses Buches: man bekommt den Eindruck, Schwanitz ginge es manchmal weniger darum Wissen zu vermitteln, als viel mehr darum seine eigene Meinung beim Leser/Hörer ab zu laden. Das wirkt gerade beim Hören manchmal unsympathisch und lenkt vom eigentlichen Thema ab. Jedenfalls schafft es der Sprecher dieses Hörbuchs, Matthias Ponnier, seine Zuhörer für mehrere Stunden an seine Worte zu fesseln und das ist bei geschätzten 400 Seiten Skript und 12 CD’s wirklich keine Leichtigkeit ist. Ponnier verfügt über eine äußerst angenehme Baritone Stimme, setzt die richtigen Schwerpunkte bei der Betonung zynischer Kommentare und spricht französische Begriffe fabelhaft aus. Einzig die englische Aussprache gelingt ihm nicht immer, da hier jedoch viele englische Vokabeln verwendet werden fällt dieses kleine Manko schon nach einiger Zeit negativ auf. Davon abgesehen kann man Ponnier aber ohne Ermüdungserscheinungen über eine lange Strecke gut zuhören. Was letztlich von dem Gesagten hängen bleibt, ist sicher von Hörer zu Hörer recht unterschiedlich. Dennoch glaube ich, dass man an der ein oder anderen Stelle des Hörbuches gut beraten wäre Papier und Bleistift zur Hand zu haben (z.B. bei der Nennung mehrerer Jahreszahlen hintereinander und der damit verbundenen Ereignisse), wenn man wirklich etwas aus diesem Hörbuch für sich „mitnehmen“ will. Dennoch ein echtes Lehrbuch ersetzt dieses Hörbuch nicht, aber es hilft Lücken zu schließlich, wenn man selbst schon über ein solides Grundwissen verfügt.

Unsere Bewertung:
• Geschichte: *****
• Sprecher: *****
• Aufnahmequalität: *****

Fazit: Man muss mit Schwanitz ja nicht immer einer Meinung sein, aber ein bisschen Allgemeinbildung tut niemandem weh!
PH



Ein Kommentare zu diesem Beitrag. to “Rezension: Dietrich Schwanitz – Bildung- Alles was man wissen muss”

  1. Gerri sagt:

    An sich stimme ich mit dieser Rezension überein. Ausgenommen der Behauptung, dass die Tatsache, dass Themen ‚in höchsten gesellschaftlichen Kreisen … Begeisterung hervorrufen‘ ein Kriterium dafür sein soll, dass es sich hierbei nicht um ‚überflüssiges Wissen‘ handeln kann.
    Schwanitz bezeichnet wohl eher Wissen dann als unnütz, wenn es nicht groß dazu dient, daraus weitere Zusammenhänge herleiten zu können bzw. ‚das große Ganze‘ zu erkennen. Und das kann von Fußballwissen, und wenn noch so großer kommerzieller Hype dieses Spiel surreal unverhältnismäßig groß aufbläst, wohl nicht behauptet werden.

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